Verarscht!

24. Februar 2007

RWE mit Riesengewinn

Filed under: Energie,Konzerne — Gerhard Lehnhoff @ 18:38

Über 3 Milliarden Euro Gewinn in 2006, 70% mehr als 2005. So finanzieren wir Dummen über unsere Strom- und Gasrechnungen die Konzerne.

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30. Januar 2007

Verarscht! … Konzerngas teurer

Filed under: Energie,Konzerne — Gerhard Lehnhoff @ 19:31

Energie

Konzerngas teurer

WDR, Dienstag, 30. Januar 2007

 

Von Michael Houben

Während sich Verbraucher über immer höhere Energiepreise ärgern, verkaufen immer mehr Städte ihre Stadtwerke ganz oder teilweise an die großen Energiekonzerne. Düsseldorf hat es im vorigen Jahr vollzogen, Leipzig kurz vor Weihnachten beschlossen, in Kassel wird zurzeit intensiv darüber beraten. Knapp 740 Gasversorger gibt es in Deutschland, die meisten gehörten ursrprünglich den Städten und Kreisen. Im Lauf der Jahre hat sich RWE an mehr als 110 von Ihnen beteiligt, EnBW ist bei knapp 40 Gasversorgern eingestiegen, der größte deutsche Gasimporteur E.ON sogar bei mehr als 220. Die Städte bekommen durch den Einstieg der Energiekonzerne einmalig Geld in die Kasse. Und die Verbraucher? Was haben die davon? Normalerweise wird es ja billiger, wenn man direkt beim Großhändler kauft, beim Erdgas scheinen allerdings andere Gesetze zu herrschen.

Auffällige Unterschiede

Südöstlich von Frankfurt, am Rande des Vogelsberges, liegt eine Leitung der Gas-Union, einem regionalen Fernleitungsbetreiber. An dieser Firma ist E.ON mit 25 Prozent beteiligt. Über diese Leitung wird am Rande des Vogelsberges ein halbes dutzend Stadtwerke beliefert. Die Hälfte ist noch immer in rein kommunalem Besitz, an zwei von Ihnen ist über verschiedene Beteiligungen der E.ON-Konzern beteiligt, an einem ENBW. Bei den Konzernbeteiligungen kostet das Gas zwischen 6,62 und 6,93 Cent je Kilowattstunde. Bei den rein städtischen Anbietern in direkter Nachbarschaft kostet es zwischen 6,13 und 6,26 Cent. Das ist ein Unterschied von gut acht Prozent – für Gas aus ein und derselben Leitung. Und das scheint kein Einzelfall zu sein.

Seit zwei Jahren sammelt [plusminus jedes Quartal die Erdgaspreise aller deutschen Versorger und veröffentlicht sie im Internet. Immer wieder finden sich benachbarte Anbieter, die sehr unterschiedliche Preise verlangen. Und das, obwohl sie über dieselbe Fernleitung versorgt werden. Beispiel: die Stadt Jülich, westlich von Köln. Das Erdgas ist dort seit Jahren deutlich preiswerter als in den umliegenden Städten. Die Stadtwerke gehören noch der Stadt, sind klein und wirtschaften sparsam. Der für die Überwachung der Leitungsnetze zuständige Mann bedient gleichzeitig die Pforte. Die Stadtwerke im Nachbarort Düren verlangen deutlich höhere Preise. Sie sind vor Jahren schon mehrheitlich an RWE verkauft worden.

Ergiebige Daten

Kann es sein, dass Gas immer dort teurer ist, wo einer der großen Gasimporteure auch am lokalen Gasanbieter finanziell beteiligt ist? Eine Analyse der Beteiligungsverhältnisse gibt Aufschluss: Unter den 50 günstigsten Anbietern finden sich 44 rein kommunale Versorger und nur sechs, an denen ein Energiekonzern beteiligt ist. Unter den 50 teuersten Anbietern sind 33 konzerngebunden.

[plusminus hat die Daten den Konzernen zur Verfügung gestellt und wollte wissen, warum ihre Beteiligungen im Schnitt teurer sind als rein städtische Unternehmen. E.ON teilte mit, es gebe auch große Stadtwerke mit E.ON–Beteiligung, die teilweise deutlich günstiger seien als vergleichbare städtische Unternehmen. Zum Beispiel sei Leipzig teurer als die E.ON-Beteiligung Frankfurt. Ähnliche Beispiele ließen sich auch in Bayern finden.

Unter den knapp 740 deutschen Gasanbietern gibt es noch 343 Betriebe in rein kommunalem Besitz. Und darunter findet man tatsächlich auch einzelne städtische Betriebe, die teurer sind als einzelne konzerngebundene Versorger. [plusminus hat sich daher den Bundesdurchschnitt aller kommunalen Betriebe und aller Konzernbeteiligungen angeschaut. Das Ergebnis: Die kommunalen Unternehmen waren seit Beginn unserer Zeitreihe im Bundesdurchschnitt pro Kilowattstunde immer um 0,1 bis 0,2 Cent billiger als konzerngebundene Anbieter. Und das gilt nicht nur bundesweit, sondern auch in Hessen und Mecklenburg-Vorpommern. Im Saarland gibt es inzwischen zu wenige rein kommunale Unternehmen, um einen Durchschnitt bilden zu können. Allein in Bayern liegen Kommunal- und Konzernbeteiligungen preislich annähernd gleichauf. Ansonsten gilt: In jeder möglichen Durchschnittsrechnung sind die kommunalen Anbieter günstiger.

Erklärungsversuche

E.ON antwortet darauf, dass die Preisunterschiede nicht nur durch das Merkmal ‚privat oder kommunal‘ erklärt werden könnten. Es gebe noch andere, erheblich wichtigere Faktoren, die Einfluss auf die Preise haben wie beispielsweise Struktur, Absatzmenge, geografische Lage, Anbindung an das Leitungsnetz.

Das würde allerdings bedeuten, das sich die Konzerne überwiegend an besonders schlecht strukturierten Anbietern beteiligt hätten. Doch zumindest für die von uns genannten Beispiele gilt das nicht: Sie liegen jeweils kaum zwölf Kilometer voneinander entfernt, sind ähnlich ländlich geprägt, verkaufen ähnlich viel Gas pro Kilometer Leitungslänge, hängen an denselben Fernleitungen. Nur sind die kommunalen Anbieter meist kleiner.

Auf Gewinn verzichten

Das gilt für die Region westlich von Köln wie auch östlich von Frankfurt. Die Stadtwerke Büdingen verkaufen das Gas hier zurzeit pro Kilowattstunde einen halben Cent billiger als der Versorger Main-Kinzig-Gas im Nachbarort Gelnhausen. An der ist über mehrere Beteiligungsgesellschaften E.ON beteiligt. Der Bürgermeister von Büdingen und der Leiter des rein städtischen Eigenbetriebes verweisen darauf, dass sie sparsam wirtschaften, Gas- und Wasserleitungen möglichst gleichzeitig legen. Vor allem aber schont die Stadt in Zeiten hoher Preise den Geldbeutel ihrer Bürger: Sie verzichtet auf eine Gewinnabführung. Die Stadt begnügt sich mit den gesetzlich vorgesehenen Konzessionsabgaben und der Bürgermeister nennt dafür zwei Gründe: „Weil wir eine starke Eigenkapitalquote der Stadtwerke wünschen und für die Zukunft auch selbst bestimmen wollen, was mit unserem Gas und Wasser geschieht.“ Die Büdinger wissen schon lange, was wir mit unseren Daten erst herausfinden mussten: Wenn Konzerne ins Spiel kommen, wird es im Schnitt teurer.

Dieser Text gibt den Fernsehbeitrag vom 30.01.2007 wieder. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt.

13. September 2006

Energie-Kosten – wo treiben sie uns hin?

Filed under: Energie,Konzerne,Politik — Gerhard Lehnhoff @ 11:05

Erst in den letzten Tagen wird vielen Verbrauchern bewusst, dass die Gaspreise wieder gestiegen sind. Du musst allerdings aktiv werden und bei dem Versorger nachfragen, denn freiwillig teilt er die durchschnittliche Preiserhöhung gegenüber dem Vorjahr von fast 20% nicht mit.Die realen Gas-Kosten stiegen in den letzten 4 Jahren um ca. 16% jährlich. Geht dieser Trend so weiter, verdoppeln sich die Preise alle 6 Jahre. Lange kalte Winter und unbeständige Sommer tun ihr eigenes dazu, dass sich die tatsächlichen Kosten sogar alle 5 Jahren verdoppeln. Hast du sich schon ernsthaft gefragt, wie du das überleben wollen? Willst du in Zukunft nur noch ein Zimmer beheizen? Erhöht sich dein Gehalt, deine Rente oder dein Arbeitslosengeld auch um das doppelte alle 5 Jahre?

Die Versorger machen satte Gewinne. Du musst also kein schlechtes Gewissen haben, wenn du dich wehrst. Schätzungsweise 1.500 Verweigerer gibt es bereits im Main-Kinzig-Kreis, die die neuen Preise und Abschläge nicht zahlen. Sie zahlen einfach den alten Preis weiter. Und bis hoch zum Bundesgerichtshof gibt man ihnen Recht. Und nein, du bekommst auch nicht das Gas abgestellt, denn die Energieversorger können die so genannte Billigkeit nicht nach weisen. D. h. sie können nicht darstellen, warum die Energie so viel kosten soll.

Was kansst du sonst noch tun? Spreche deine örtlichen politischen Repräsentanten an. Mache ihnen dein Problem bewusst. Investiere, wenn du es kannst. Solarunterstützung mit neuem Brennwertkessels bringt viel, eine Wärmepumpe scheinbar noch mehr, wenn man bedenkt, dass Gas- und Ölpreise mit jährlich geschätzten 12% doppelt so schnell steigen, wie der Strompreis mit geschätzten 5%. Beides ist aber teuer (um die 20.000€ – 25.000€). Vielleicht steckst du dein Geld auch in eine bessere Isolierung deines Eigentums. Oder überzeuge deinen Vermieter. Nur der wird alle Maßnahmen natürlich auf die Miete umschlagen (müssen).

Dennoch, ohne dass der Verfasser dich demoralisieren möchte, bei der nächsten Preiserhöhung stehst du wieder da, wo du vorher warst.

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